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Franz Xaver Richter

 

1. 12. 1709 Holleschau (?) – 12. 9. 1789 Straßburg

Sänger-Bassist und Komponist, auch Theoretiker; als Sänger 1736 in der württembergischen und von 1747 bis 1769 in der kurpfälzischen Hofkapelle nachgewiesen

 

Als Franz Xaver Richter im Alter von 38 Jahren in die kurpfälzische Hofkapelle aufgenommen wurde, konnte er bereits auf eine abwechslungsreiche und recht erfolgreiche Karriere zurückblicken. Geboren wurde er sehr wahrscheinlich im mährischen Holleschau, ganz sicher ist dies allerdings nicht, da seine Geburt in den Holleschauer Kirchenbüchern nicht belegt ist. Bezeugt ist hingegen, dass Richters Vater Matthias als Soldat in Diensten des Grafen Franz Anton von Rottal in Holleschau stand, und in den Matrikeln des Jesuitengymnasiums von Ungarisch Hradisch, wo er von 1722 bis 1727 seine schulische Ausbildung erhielt, führt sein Name den Zusatz Holleschoviensis (»aus Holleschau«). Nach der Schulzeit verlieren sich Richters biographische Spuren für knapp zehn Jahre. Im Sommer 1736 wurde Richter als Bass-Sänger an der Stuttgarter Hofkapelle angestellt. 1737 wechselte er nach einem kurzen Interim bei Baron von Gerz in Schlitz bei Fulda als director musices an die benediktinische Ritterakademie in Ettal. 1740 wurde er Vizekapellmeister des Fürstabtes Anselm von Reichlin-Meldegg in Kempten (Allgäu), wo er schließlich – der genaue Zeitpunkt ist unbekannt – zum Kapellmeister avancierte. Von Kempten aus wechselte Richter als Sänger an den kurpfälzischen Hof. Eine leitende Position konnte er jedoch erst wieder 1769 als Domkapellmeister am Straßburger Münster übernehmen. In dieser Funktion wurde er, mit einer Notenrolle dirigierend, 1785 von Christophe Guérin porträtiert. Als Komponist widmete sich Richter in Straßburg fast ausschließlich der Kirchenmusik, als Kapellmeister oblag ihm darüber hinaus die Leitung der weltlichen Aufführungen am bischöflichen Hof sowie zeitweise des Orchestre municipal. 1785 unternahm Richter noch einmal eine längere Reise nach München, wo er auch einige ehemaligen Kollegen aus Mannheim wieder sah. Er starb fast achtzigjährig, am 12. September 1789, in Straßburg.

 

In den rund 22 kurpfälzischen Dienstjahren komponierte Richter fast ausschließlich Instrumentalmusik. Nachgewiesen sind u.a. 30 Sinfonien, 6 Cembalokonzerte und mehrere kammermusikalische Werke, erhalten haben sich außerdem 8 handschriftlich überlieferte Flötenkonzerte – nicht bekannt ist jedoch, ob die genannten Werke für den Mannheimer Hof komponiert oder dort aufgeführt wurden. Musikhistorisch bedeutend sind vor allem die 1768 in London gedruckten Streichquartette (op. 5), die in Amsterdam, London und Paris verlegt wurden. Von den wenigen geistlichen Werken, die Richter für den kurpfälzischen Hof komponietre, ist vor allem sein Karfreitags-Oratorium La deposizione dalla croce di Gesu Cristo zu nennen, das gleich zu Beginn seiner Einstellung am 12. April 1748 in der Schlosskapelle in Mannheim uraufgeführt wurde.

 

Aufgrund des frühen Engagements wird Richter zur Gründergeneration der Mannheimer Schule gerechnet. Richters Lehrtätigkeit am Hof lässt sich allerdings konkret kaum belegen. Immerhin verfasste er aber zwischen 1761 und 1767 sein Lehrwerk die Harmonischen Belehrungen, das er Kurfürst Carl Theodor widmete.

 

 

Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil 14, 2005, Sp. 31–35 (Jochen Reutter)

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